Konzertrückblick 18. November 2018

Konzert am 19. März 2017, 18:00 Uhr, Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, Düsseldorf-Mitte

Figuralchor Düsseldorf mit seinem Bach-Collegium; Solisten: Geesche Bauer (Sopran), Elvira Bill (Alt), Wolfgang Klose (Tenor; Evangelist), Andreas Normann (Tenor; Petrus, Pilatus), Rolf A. Scheider (Bass; Jesus)

Georg Muffat 1653 – 1704
Sonata in g (aus „Armonico tributo“)

Reinhard Keiser 1674 – 1739
Passio secundum Marcum – Markuspassion

Konzert am 18. November 2018, 18:00 Uhr, Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, Düsseldorf-Mitte

Figuralchor Düsseldorf und sein Bach-Collegium;
Solisten: Geesche Bauer (Sopran), Aljoscha Lennert (Tenor), Thomas Laske (Bass)
Leitung: Jürgen Schmeer

Programm

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)

BACH-KANTATEN-ABEND +

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf
Motette für zwei vierstimmige Chöre BWV 226

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir
Kantate (zum Bußtag) BWV 131

Ich will den Kreuzstab gerne tragen
Kantate zum 19. Sonntag nach Trinitatis BWV 56

Wachet auf, ruft uns die Stimme
Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis BWV 140

Ein Konzert nur der Musik Johann Sebastian Bachs zu widmen, scheint immer noch etwas Außergewöhnliches zu sein. Trotz ihrer Zugehörigkeit zur Kategorie ALTE MUSIK erscheint sie uns in einem gewissen Maße immer wieder neu und zugleich sehr vertraut, weil ihre Impulse höchste Faszination auslösen. Dass Bach zu seinen Lebzeiten selbst aber nicht selten scharfer Kritik ausgesetzt war, etwa seitens seines Hamburger Komponistenkollegen und Musiktheoretikers Johann Adolph Scheibe, der ihn 1737 öffentlich anprangerte, in seiner Musik sei wenig “Annehmlichkeit”, erscheint uns heute eher befremdlich.

Jürgen Schmeer ist es auch in diesem Konzert gelungen, sein Publikum in den Sog der Musik Bachs hineinzuziehen. Mit seiner schlüssigen Werkauswahl hat er den Abend spannungsreich gestaltet, Chor, Solisten und Instrumentalisten mit klarer Diktion zur Höchstleistung animiert und die Musik Bachs zum Blühen, ja Glühen gebracht. Tiefer nachgedacht, so möchte man anmerken, erscheinen die thematischen Titel sogar wirklichkeitsnah, was vermutlich aber Zufall ist.

Schmeer stellt den drei Kantaten eine Motette, BWV 226 – 1729, voran. Vielleicht eine Erinnerung daran, dass sich die Kantate aus der Motette entwickelt hat, wenn diese auch selbst seit ihrer Entstehung im 13. Jh. an der Schule von Notre-Dame in Paris, sich in stets verändernder musikalischer Form bis ins 21. Jh. hinein als religiös geprägte Werkform gehalten hat. Letztlich aber auch als Hinweis auf dieses Konzert am Totensonntag, komponierte Bach die Motette doch als Trauermusik für ein Begräbnis. Als Schachzug von Schmeer, mit sozusagen scholastischer Perspektive, mag es zu werten sein, dieser Motette eine frühe Kantate aus der Mühlhauser Zeit Bachs folgen zu lassen (BWV 131 – 1707) und daran anschließend eine aus den ersten Jahren seiner Leipziger Zeit (BWV 56 – 1726). Beschlossen wurde das Konzert mit der Kantate BWV 140 aus dem Jahr 1730/1731.

Die hohe musikalische Kompetenz des Chores zeigte sich bereits in der Wiedergabe der auf nur etwa acht Aufführungsminuten ausgelegten Motette und erfüllte sich in einem lichten Aufgesang der Grundstimmung des Schlusschorals: “nun hilf uns fröhlich und getrost ……., O Herr, …….”

Die Kantate BWV 131, eine Komposition für einen Bußtagsgottesdienst oder ein Begräbnis, ist textlich mit dem vollen Wortlaut des 130. Psalms unterlegt, der das Flehen um Sündenvergebung thematisiert. Die musikalische Ausrichtung ist eingangs, mittig und am Schluss chorisch getragen. Die beiden Zwischenteile, ein Bass-Arioso (Thomas Laske) und eine Tenor-Arie (Aljoscha Lennert), mit Sopran- bzw. Alt-Chor begleitet, sind in den melodischen Fluss ohne Pausen eingebettet, was für eine direkte Entwicklung dieser Kantate aus der Motette steht. Tempokontraste bestimmen den Fluss der Musik. Schmeer folgt diesem Kompositionsprinzip mit einfühlsamer Zeichengebung, was zur Folge hat, dass die beiden Solisten ihre klar intonierten und über der chorischen wie instrumentalen Begleitung liegenden Stimmen voll zur Geltung bringen können. Sehr einfühlsam die feingestimmte Tönung der Solo-Oboe (Marion Michel) im Arioso.

Die Kreuzstab-Kantate Bachs, BWV 56, deren Textgrundlage romantische Züge trägt, wird bis auf den Schlusschoral vom Solo-Bass dominiert. Thomas Laske spielt hier sein ganzes Können aus und berührt mit seiner intimen Textmodulation zutiefst. Man nimmt ihm die gesanglich interpretierte Freude auf das himmlische Leben ab, die er mit sublimer Inbrunst und dem himmlischen Schmelz seines wunderbaren Bass-Baritons in das protestantisch nacktgestaltete Schiff der Johanneskirche entlässt. Besonders in dieser Darbietung zeigt sich auch das ganze Können des Bach-Collegiums, das mit großer Aufmerksamkeit und feinster stimmlicher Gestaltung jeder musikalischen Anforderung gewachsen ist. Das gilt sowohl für das Ensemble insgesamt wie auch für den Generalbass und die Instrumentalsolisten. Der Text des Schlusschorals, “…… Schlafes Bruder ….., löse meines Schiffleins Ruder, ……,” assoziiert ein Bild der letzten Fahrt auf dem Styx des flämischen Malers Joachim Patinir (Überfahrt in die Unterwelt, 1515/1524, Prado, Madrid).

Die Kantate BWV 140, “Wachet auf, ruft uns die Stimme”, eine der bekanntesten und wohl meist aufgeführten Bachs, stand am Ende des Konzerts. Der Text reflektiert die bildhafte Verbindung Jesu mit der menschlichen Seele, eine himmlische Hochzeit, zu der Bach eine intim melodische wie zugleich prachtvolle Musik komponiert hat. Musikalische Höhepunkte sind zwei Duette, die die leuchtend stimmige Sopranistin Geesche Bauer und der markante Bass Thomas Laske höchst einfühlsam ausführen, akkompagniert von der Solo-Violine (Seowon Kim) im ersten und der Oboe (Marion Michel) im zweiten. In den beiden Rezitativen zeigt die sensibel gehaltene Begleitung durch den Generalbass (Eglatine Latil, Violoncello; Vlado Zatko, Kontrabass; Daria Fedorova, Fagott; Ulla Schmeer, Orgel) hohe Meisterschaft. Und der Chor wuchs in seinem Schluss-Gloria, “Gloria sei dir gesungen …… des sind wir froh, io, io! ewig in dulci jubilo.”, noch einmal über sich hinaus.

Düsseldorf, 19.11.2018

Wolfgang D. Weithäuser
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